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Forschungsprojekte
Virtuelle Akustik
Simulation and Evaluation of Acoustical Environments (SEACEN) wird gefördert durch die DFG (WE 4057/3-1)
ohrenstrand.net wird gefördert durch Netzwerk Neue Musik und Kulturverwaltung des Landes Berlin
Die virtuelle Akustik befasst sich mit der Modellierung virtueller akustischer Umgebungen, mit der Aufnahme und Wiedergabe realer akustischer Umgebungen und mit der Auralisation, d.h. der Hörbarmachung dieser Umgebungen durch immersive Wiedergabesysteme.
Das Fachgebiet betreibt für die Entwicklung und Anwendung dieser Verfahren in einem wissenschaftlichen und künstlerischen Kontext verschiedene Einrichtungen, darunter
- einen großen Hörsaal, das Wellenfeld H104, mit einer Anlage zur Wellenfeldsynthese (WFS) mit 832 Kanälen bzw. 2700 Lautsprechern und einer am FG entwickelten Software für das WFS Rendering
- ein Labor zur Wellenfeldsynthese mit 256 Kanälen und alternativer 8-kanalig diskreter Wiedergabe (EN 325)
- ein 3D Media Lab mit 180° stereoskopischer Panoramaprojektion und dynamischer Binauralsynthese mit einem am FG entwickelten, extrauauralen Kopfhörer.
Die Forschergruppe SEACEN ist der Weiterentwicklung dieser Verfahren im Bereich der Grundlagenforschung gewidmet. Die an der TU Berlin durchgeführten Projekte befassen sich mit der technischen und methodischen Entwicklung von Qualitätskriterien für virtuelle und reale akustische Umgebungen, sowie mit der Untersuchung der audiovisuellen Interaktion bei der Wahrnehmung akustischer Umgebungen.
Im Rahmen von ohrenstrand.net veranstaltet das Fachgebiet Audiokommunikation jährlich zwei Konzerte mit zeitgenössischer Musik im Wellenfeld H104.
Mitarbeiter/innen:
Andre Bartetzki
Anselm Goertz
Florian Goltz
Alexander Lindau
Hans-Joachim Maempel
Volker Straebel
Wilm Thoben
Stefan Weinzierl
Survey Musik und Medien
Survey Musik und Medien. Empirische Basisdaten und theoretische Modellierung der Mediatisierung alltäglicher Musikrezeption in Deutschland
Seit über hundert Jahren wird unser Alltag von ständig wechselnden Technologien zur Speicherung, Übertragung und Wiedergabe von Musik bestimmt. Zurzeit vollzieht sich mit der Digitalisierung und Vernetzung der Medienumwelt erneut eine substanzielle Veränderung der Möglichkeiten der praktischen Nutzung von Musik im Alltag – und potentiell damit auch ein Wandel ihrer sozialen Bedeutung. Um diesen Wandel im Sinne des DFG-Schwerpunktprogramms „Mediatisierte Welten“ besser zu verstehen, soll aus einer interdisziplinären Perspektive das Zusammenspiel materieller Medientechnologien, symbolisch-auditiver Musikangebote und unterschiedlich sozialisierter NutzerInnen im Kontext der sozialen Alltagspraxis analysiert werden.
Das im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogrammes "Mediatisierte Welten" geförderte Projekt möchte dazu anhand eines Mixed-Method-Designs auf zwei unterschiedlichen Ebenen den aktuellen Stand der fortschreitenden Mediatisierung alltäglicher Musikrezeption in den Blick nehmen: So will der quantitative Teil eine Forschungslücke der Mediennutzungsforschung schließen, indem er repräsentative Daten über die typischerweise in Deutschland heute für den alltäglichen Musikkonsum in Kombination genutzten Medientechnologien und Angebotstypen liefert. Komplementär dazu soll im qualitativen Teil analysiert werden, warum und wie die Angehörigen unterschiedlicher sozialer Milieus und Altersgruppen die alten und neuen Möglichkeiten der medialen Musikrezeption heute in Form der ermittelten musikalischen Medienrepertoires miteinander kombinieren, und inwiefern dies auf sich wandelnde soziale Funktionen von Musik im Alltag verweist.
Projektmitarbeiter:
Steffen Lepa
Stefan Weinzierl
Medium und Emotion
Medium und Emotion. Zur emotionalen Wirkung von Musik in verschiedenen medialen Rezeptionssituationen.
(Forschungsprojekt im Exzellenzcluster 302 “Languages of Emotion”)
Für die meisten Menschen ist die Rezeption von Musik über Medien heute eine Selbstverständlichkeit. Aufgeführte Musik wird durch ihre technische Übertragung und mediale Präsentation in vielfältiger Weise transformiert, unter anderem aus ihren klanglichen, räumlichen, zeitlichen und sozialen Gegebenheiten herausgelöst. Zusätzlich entstanden ganz neue musikalische Formen ohne einen originären Live-Aufführungskontext überhaupt erst innerhalb des technischen Mediums. Diese technischen und kulturellen Veränderungen des letzten Jahrhunderts betreffen potentiell sowohl die Ästhetik als auch die Nutzungsweisen von Musik im Alltag. Im Projekt „Medium und Emotion“ wird versucht, diese Transformationsprozesse des (medien-)musikalischen Dispositivs und seiner Einbettung in soziale Alltagskontexte, insbesondere im Hinblick auf die emotionalen Empfindungen bei der Rezeption von Musik aus einer medien-, musik- und kommunikationswissenschaftlichen Perspektive besser zu verstehen. Im Kontext einer heute überwiegend medialen Vermittlung musikalischer Inhalte ist es dabei zentralem Interesse, inwieweit gerade das emotionale Empfinden von Musik als der "Sprache der Gefühle" durch die von technischen Medien konstruierten Rezeptionssituation verändert wird, und wie sich diese Transformation in Abhängigkeit von den musikalischen Inhalten, von der Persönlichkeit des Rezipienten und vom sozialen Kontext des Hörens auswirkt.
Mitarbeiter/innen:
Hans-Joachim Maempel
Steffen Lepa
Kai Siedenburg
Elena Ungeheuer
Stefan Weinzierl
Historische und experimentelle Interpretationsforschung
Historische und experimentelle Interpretationsforschung.
(Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz - SIMPK)
Musik wird stets durch eine Aufführung vermittelt. Dies gilt für notenbasierte Werke ebenso wie für improvisierte Musik, die erst im Moment der Aufführung entsteht, bis hin zu elektronischer Musik, die einer klanglichen und technischen Realisierung bedarf.
Die Forschung zur Aufführungspraxis von Musik und zur Rolle des individuellen Interpreten ist für die Musikwissenschaft eine große methodische Herausforderung. Dies gilt für historische Aspekte der Aufführungspraxis, für kulturgeschichtliche Aspekte von Inszenierung und Performanz, ebenso wie für deren empirische Untersuchung. Am Fachgebiet Audiokommunikation entwickelte Systeme zur Simulation virtueller akustischer und visueller Realitäten durch Binauraltechnik, Schallfeldsynthese und Stereoprojektion, sowie eine Softwarebibliothek zur Analyse und Erkennung von Interpretationsparametern durch digitale Signalverarbeitung von Audioaufnahmen bilden hier leistungsstarke Werkzeuge für eine experimentelle Interpretationsforschung und für die Analyse historischer Tonträger.
Konkrete Untersuchungsgegenstände sind die Validität von technisch extrahierten Parametern aus Audioaufnahmen im Hinblick auf die Beurteilung von Interpretationen durch Experten, die Verbesserung der eingesetzten Algorithmen, die Veränderung von Interpretationskonventionen, soweit sie auf historischen Tonträgern dokumentiert sind, und der Einfluss der akustischen Umgebung auf die Interpretation. Letzteres kann sowohl im Labor wie in Feldversuchen analysiert werden.
Als Katalysator dieses längerfristig angelegten Forschungsprojekts wird in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Institut für Musikforschung Preußischer Kulturbesitz (SIMPK) von 26. bis 28. November 2010 ein Symposium zum Thema
Interpretationsforschung 2010. Methoden der computergestützten Analyse im Kreuzverhör der Disziplinen
im Curt-Sachs-Saal des Musikinstrumenten-Museums organisiert werden.
Details zum Symposium
Mitarbeiter/innen:
Fabian Brinkmann
Alexander Lerch
Heinz von Loesch
Hans-Joachim Maempel
Zora Schaerer
Stefan Weinzierl
Konzertsaal versus mediale Rezeption
Konzertsaal versus mediale Rezeption. Vergleichende empirische Untersuchung von binaural synthetisierten, natürlichen und elektroakustisch übertragenen musikalischen Aufführungen.
(DFG WE 4057/1-1)
Im Zeitalter der Medienmusik stellt sich mit Nachdruck die Frage, von welchen Faktoren die mediale Transformation von Musik- und Audioinhalten bestimmt wird und wie sie sich beim Rezipienten auswirkt. Die dynamische Auralisation binauraler Raumimpulsantworten (BRIRs), die eine plausible, bei leistungsfähigen Systemen nicht mehr von der Realität unterscheidbare Reproduktion prinzipiell beliebiger realer akustischer Umgebungen erlaubt, eröffnet nun die Möglichkeit des unmittelbaren Umschaltens grundlegend verschiedener simulierter Rezeptionssituationen. Sie soll genutzt werden, um erstmals einen direkten empirischen Vergleich von Live-Darbietungen (Konzertsaal) und elektroakustischen Übertragungen durch übliche Mikrofonaufnahmeverfahren und Lautsprecheranordnungen (mediale Rezeption) durchzuführen. Ein am Fachgebiet entwickelter binauraler Messroboter leistet eine schnelle, automatisierte Vermessung hierfür nötiger BRIR-Datensätze in hoher Audioqualität. Sie werden durch ein Faltungsprogramm für eine prinzipiell beliebige Anzahl von Quellen in Echtzeit dynamisch auralisiert. Auf der Grundlage dieser Simulationen sollen mit einem der Konstruktpsychologie entlehnten Erhebungsverfahren (Repertory Grid Technik) die Wahrnehmungsqualitäten natürlicher und medialer Hörsituationen im direkten Vergleich ermittelt werden. Anhand dieser hochvaliden Beurteilungsmerkmale soll in quantitativen Hörversuchen die Wirkung verschiedener Aufnahme- und Wiedergabeverfahren sowie verschiedener audiovisueller Bedingungen auf die mediale Wahrnehmung von Musik experimentell untersucht werden.
Mitarbeiter:
Fabian Brinkmann
Michael Horn
Alexander Lindau
Hans-Joachim Maempel
Stefan Weinzierl
Details zum Projekt
Virtual Electronic Poem
Virtual Electronic Poem. Reconstructing a Masterpiece of Media Art Through Immersive Technologies
(EU, Culture 2000, CLT2004/A1/CH/IT-352)
Das Forschungsprojekt Virtual Electronic Poem (VEP) zielte auf eine Rekonstruktion des Poeme électronique, eines verlorenen Meisterwerks der Medienkunst und der elektroakustischen Musik, mit Technologien der virtuellen Realität. Das Projekt wurde in den Jahren 2004 und 2005 durch eine Kooperation von
* Virtual Reality & MultiMedia Park and Università di Torino
* TU Berlin, Fachgebiet Audiokommunikation
* University of Bath, Department of Computer Science
* Silesian University of Technology Gliwice
durchgeführt und wird seitdem ständig aktualisiert, weiterentwickelt und präsentiert. Der Beitrag des Fachgebiets Audiokommunikation der TU Berlin zielte auf eine Rekonstruktion des originalen Hörereignisses. Dazu gehört die Restauration und Integration das noch erhaltene Audio-Quellmaterials in eine raumakustische Simulation des originalen Pavillions anhand eines Computermodells, und eine Auralisation mittels binauraler Technologie.
Mitarbeiter:
Eckehard Güther
Kees Tazelaar
Wilm Thoben
Stefan Weinzierl
Details zum Projekt
Die Akustik historischer Aufführungsräume für Musik und Theater
Das Projekt untersucht die Akustik historischer Aufführungsräume für Musik und Theater im Zusammenhang mit deren performativen Funktionen, musikalischen und theatralen Aufführungspraktiken und dem Instrumentarium der Zeit.
Das Spektrum reicht von den noch erhaltenen theatralen und musikalischen Aufführungsräumen der frühen Neuzeit im Zusammenhang mit den, ab 1550 aufkommenden neuen Aufführungsgattungen – Monodie, frühe Oper, Kammeroper, Konzert – bis zu Aufführungsräumen aus der Frühzeit des öffentlichen Konzertwesens im 18. und 19. Jahrhundert. Dazu gehören auch Stadträume (Piazze), die häufig in den Renaissancestädten als offizielle Aufführungsorte für ephemere Theatervorrichtungen umgestaltet wurden. Im Frühjahr 2010 hat das Fachgebiet Audiokommunikation eine Forschungsreise zu Palladios/Scamozzis Teatro Olimpico in Vicenza unternommen, um im dortigen Theaterkomplex in zwei Räumen akustische Messungen durchzuführen und die Akustik durch ein raumakustisches Computermodell zu simulieren und zu auralisieren.
Das Projekt entstand als Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich 644 „Transformationen der Antike“.
Mitarbeiter:
Stefan Weinzierl
Paolo Sanvito
Details zum Projekt
Von der Wahrnehmungsforschung zur Erfahrungsästhetik: Die musikalisch-klangliche Konstruktion des Raums und ihre Technik
(wird als „eigene Stelle“ gefördert durch die DFG BR 4051/1-1)
Ziel des Projektes ist die Darstellung der Integration des Parameters „Raum“ in die elektroakustische und live-elektronische Musik als eigenständige kompositorische Größe und der damit einhergehende Wandel zur auditiven raumbezogenen Medienkunst. Einen großen Anteil an diesem Prozess hatten technische Medien und Geräte, die von interessierten Ingenieuren unter Beteiligung der Komponisten entwickelt und gebaut wurden. Zentraler Punkt des Projektes ist daher die gemeinsame Arbeit bei der Entwicklung dieser raumakustischen und raumklangsteuernden Geräte und der damit verbundene fachspezifische Wissensaustausch auf beiden Seiten im Zeitraum von ca. 1950 – 1980. Während sich Projektpartner auf die Erforschung der musikalisch-kompositorischen Aspekte konzentrieren, steht in diesem Projektteil die naturwissenschaftlich-technische Seite im Vordergrund. Aufbauend auf der medienarchäologischen Aufarbeitung der auditiven Raumwahrnehmung und erster raumakustischer Geräteentwicklungen des 19. Jh. werden die im zentralen Forschungszeitraum entwickelten elektroakustischen Raumklanggeräte zunächst in Einzelschritten aus Schaltplänen, Skizzen, Korrespondenzen mit Komponisten etc. dokumentiert und anschließend ihre raumklanglichen Kapazitäten und ihr Einsatz in Kompositionen analysiert sowie ihre räumliche Gestaltungsweisen mittels Klängen / Musik klassifiziert. Am Ende steht die Betrachtung der im Untersuchungszeitraum entstandenen Werke und ihrer neuen, die auditive Wahrnehmung fokussierenden Erfahrungsästhetik.
Mitarbeiter/innen:
Martha Brech
