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Fachgebiet AudiokommunikationAbgeschlossene Dissertationen

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Abgeschlossene Dissertationen

The Influence of Room Acoustics on Solo Music Performances. An Empirical Study

Autorin: Zora Schärer Kalkandjiev

Bei der Aufführung von Musik spielt der Raum als akustischer Übertrager eine maßgebliche Rolle für das resultierende Klangbild. Diese klangliche Transformation beeinflusst nicht nur die Wahrnehmung der Zuhörer sondern auch diejenige der ausübenden Musiker. Es ist davon auszugehen, dass deren Höreindruck sich wiederum auf die Interpretation auswirkt, sodass eine komplexe Interaktion entsteht. Bereits in musikalischen Lehrwerken des 18. Jahrhunderts sind praktische Hinweise zum spieltechnischen Umgang mit unterschiedlichen akustischen Umgebungen zu finden. Heute gilt die Akustik eines Saals unter Musikern und Theoretikern als selbstverständlicher Einflussfaktor auf eine Aufführung.
Der Zusammenhang zwischen Raumakustik und musikalischer Interpretation wurde jedoch bisher kaum systematisch untersucht bzw. wird meist auf die einfache Formel „je halliger der Raum desto langsamer das Tempo“ reduziert. Es ist offen, ob diese Annahme tatsächlich zutrifft, welche weiteren musikalischen Interpretationsparameter in Abhängigkeit der Raumakustik variiert werden und wie das Muster ihrer Veränderung aussieht. Von Interesse ist hier auch, ob der akustische Einfluss durch das musikalische Material oder das verwendete Instrument bedingt ist. Darüber hinaus ist zu klären, welche raumakustischen Eigenschaften bei einer Aufführung eine Rolle spielen und durch welche physikalisch messbaren Parameter sie am besten beschrieben werden können. Im Gegensatz zur Evaluation von Konzertsälen aus der Hörerperspektive fehlt auf dem Gebiet der Bühnenakustik bisher eine fundierte Kenntnis der akustischen Kriterien, die für die Raumwahrnehmung von Musikern relevant sind.
Die genannten Fragen sollen in der Doktorarbeit in empirischen Untersuchungen beantwortet werden. Nebst einer Studie unter realen Konzertbedingungen kommt in einem zweiten Teil die dynamische Binauralsynthese zum Einsatz, um praktizierende Musiker in verschiedene Säle zu versetzen. Mit Hilfe einer am Fachgebiet entwickelten, softwarebasierten Analyse der in realen und binaural simulierten Konzertsälen ausgeführten musikalischen Darbietungen werden die zeitlichen Verläufe von Interpretationsparametern extrahiert. Ferner wird die Akustik der Säle durch Messungen von Impulsantworten und Berechnung typischer akustischer Kriterien charakterisiert, sodass ihre Auswirkung auf die Spielweise der Musiker im Detail untersucht werden kann.

Kontakt: zora.schaerer@tu-berlin.de

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Weinzierl / Prof. Dr. Heinz von Loesch

Disputation: 5.10.2015

On the Threshold of Beauty – Philips and the Origins of Electronic Music in the Netherlands 1925–1965

Autor: Kees Tazelaar

From the outset, Dutch electronic music has found itself in between the two principal European trends in this field, namely the French musique concrète introduced at the French Radio in 1948, and the German elektronische Musik which emerged from 1951 onwards at the Cologne broadcast station. Although electronic music had incidentally been made in Dutch radio studios since 1952, this was not yet in the context of a purpose-built studio as was the case in Germany and France. The first real Dutch studio for electronic music was created only in 1956, and then not by a broadcasting company but, remarkably enough, by the acoustics department of Philips Research Laboratories. Although electronic music played no more than a marginal role in the corporate history of Philips, the present research reveals, conversely, that Philips has been of great significance for the genesis of Dutch electronic music.
The presentation of the research in this volume comprises three chapters. The first describes the development of diverse aspects of electro-acoustics at Philips Research Laboratories from 1925 onwards, and the electronic music which thus arose. The second chapter addresses the production and performance of the electronic music for the Philips Pavilion in the 1958 World’s Fair in Brussels. The final chapter deals with initiatives from organisations and composers which led, parallel with and in succession to the electronic music from Philips, to permanent studios for electronic music and the educational programmes connected with them.

Kontakt: tazelaar[at]ziggo.nl

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Weinzierl, Dr. Daniel Teruggi, Dr. Jan de Heer

Disputation: 17.05.2013

Der Marsalis-Komplex. Studien zur gesellschaftlichen Relevanz des afroamerikanischen Jazz zwischen 1992 und 2007.

Autor: Dr. Christian Broecking

Zwölf Jazzmusiker, eine Jazzsängerin und drei Schriftsteller afroamerikanischer Herkunft wurden vom Autor zwischen 1992 und 1996 zu Einstellungen und Verhaltensweisen hinsichtlich ihrer Rassismuserfahrung und deren Bewältigung befragt. Dabei standen Fragen zu Marktzugang, Gesellschaft, Rezeption und kultureller Identität im Mittelpunkt. Die Interviews waren ursprünglich zu journalistischen Zwecken durchgeführt worden, für diese Arbeit wurden sie in der Originalsprache transkribiert und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.

Hinsichtlich ihrer politischen Intention und Haltung überwiegt der Wunsch, mit der Musik gesellschaftlich Einfluss nehmen zu wollen. Die Verknüpfung mit einer sozialen Bewegung wird vermisst, die Möglichkeit wird geschätzt, auf die Herkunftskultur zurückzugreifen und darüber künstlerische Kompetenz zu begründen. Die Kontroverse um die Bildung eines verbindlichen Kanons von (afro)amerikanischen Jazz-Meisterwerken wird als ökonomischer Verteilungskampf um knappe Ressourcen diskutiert. Während des Untersuchungszeitraumes erschien den Befragten der Ausgang der Auseinandersetzung noch offen. Im darauffolgenden Jahrzehnt sollte es den Neotraditionalisten um Wynton Marsalis gelingen, den Jazz auf der hochkulturellen Ebene zu institutionalisieren und somit durchzusetzen. In den Äußerungen zu gesellschaftlichen und politischen Fragen entwerfen die Befragten ein heterogenes Meinungsgefüge, das nicht mit der Rezeption einer als homogen empfundenen schwarzen Kultur korreliert. Die Erwartung, dass Jazzmusiker sich entsprechend ihrem favorisiertem musikalischem Stil politisch positionieren würden, wird von den Ergebnissen dieser Untersuchung nicht gestützt.

Die Forschungsfrage, wie die Befragten die Erfahrung von Rassismus und Diskriminierung in ihrer Wirkung auf das künstlerische Werk reflektieren, führt als Ergebnis der Untersuchung zur Bildung von heterogenen Haltungstypen. Eine essentialistische Variante drückt sich in einer Sehnsucht nach einer homogen konstruierten, antiimperialistisch orientierten schwarzen Kultur aus. Ein Blues-idiomatischer Typus symbolisiert den Kampf um die hochkulturelle Anerkennung und Förderung des (afro)amerikanischen Jazz. Eine trans-idiomatische Position zielt auf eine Neubestimmung künstlerischer Artikulation unter den Bedingungen von Globalisierung und internationaler Netzwerkbildung.

Kontakt: christian.broecking AT campus.tu-berlin.de

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Weinzierl / Prof. Dr. Elena Ungeheuer

Disputation: 11.07.2011

Prozesse der Plausibilitätsbeurteilung am Beispiel ausgewählter elektroakustischer Wiedergabesituationen. Ein Beitrag zum Verständnis der „inneren Referenz“ perzeptiver Messungen

Autor: Dr. Clemens Kuhn-Rahloff

Die akustische Wirklichkeit plausibel oder authentisch reproduzieren zu können, ist eine der wichtigsten Triebkräfte der audiotechnischen Entwicklung, beispielsweise für Raumsimulationen, für Musik- oder für Sprachwiedergabe. Zahlreiche Verfahren zur Messung von wahrgenommener Qualität sind mit Bezug auf „Plausibilität“ in der Kommunikationsakustik entwickelt worden.
Während viele perzeptive Qualitätsurteile zwar letztendlich auf Plausibilität verweisen, besteht interessanterweise bislang wenig Übereinstimmung darüber, wie Plausibilität selbst zu messen ist und welche konzeptionelle Bedeutung diesem Begriff zugrundeliegt. Dies ist für das Verständnis des Messgeräts „Mensch" relevant und berührt daher grundlegende Fragen der Wahrnehmungsforschung.
Um Eigenschaften von Plausibilitätsurteilen zu erörtern, stellt die Dissertation ausgewählte top-down-Prozesse der Wahrnehmung in den Vordergrund, die das Urteilsverhalten beeinflussen. Im Zentrum stehen dabei strukturierende Wahrnehmungsprozesse, die nicht nur zum Plausibilitätsurteil, sondern auch zur Vorerfahrung des Wahrnehmenden und damit zur Referenz des Urteils führen. Dabei wird zunächst gezeigt, dass absolute Urteile über Plausibilität mit Bezug auf eine innere Referenz starken interindividuellen und zeitlichen Schwankungen unterworfen sein können. Jedoch handelt es sich hierbei nicht um Störvariablen, die die Messung beeinträchtigen, sondern um systemimmanente Eigenschaften der beteiligten Wahrnehmungsprozesse.
Untersuchungen des Beurteilungsprozesses sind daher möglich, wenn zusätzliche Parameter in die Messung einbezogen werden:

  • Zeitlicher Verlauf von Plausibilitätsurteilen durch Priming im Kontext verschiedener Wiedergabesituationen. In diesem Zusammenhang wird gezeigt, dass das Plausibilitätsurteil über eine gegebene Wiedergabesituation trotz des alltäglichen Umgangs mit bestimmten Medien keineswegs gefestigt ist. Der mediale Kontext, in dem Plausibilität bewertet wird, ist für das Urteil relevant und sollte daher ggf. in die Messung einbezogen werden.
  • Individuelle Vorerfahrung der Probanden und Urteilsverhalten bei der Bewertung unbekannter Reize: Durch Untersuchung des Streuungsverhaltens bietet sich die Möglichkeit, den Urteilsprozess auch dann sinnvoll messen zu können, wenn Probanden nicht auf die zu untersuchenden Stimuli umfassend trainiert wurden – so wie es außerhalb von Laborbedingungen auch der Fall sein kann.
  • Darstellung der dem Plausibilitätsurteil zugrundeliegenden Wahrnehmungsdimensionen in einem Ähnlichkeitsraum und Analyse der maßgeblichen Metrik. Hier lässt sich festhalten, dass gerade bei komplexen Referenzen ein hoher Minkowski-Metrikexponent (r > 2) erwartet werden darf. Dies ist für die Optimierung von Systemen interessant, da für das Urteil jeweils eine einzelne Wahrnehmungsdimension in den Vordergrund rückt. Mit diesem Wissen lassen sich Implementierungsprozesse u.U. auf ein einzelnes Merkmal (und damit auf entsprechende technische Systemeigenschaften) effizient beschränken.

Anhand der gewählten Szenarien diskutiert die Arbeit die praktische Bedeutung der Ergebnisse und stellt erkenntnistheoretische Hintergründe dar. Insbesondere wird dabei die Relevanz des Beobachterstandpunkts erörtert, der für eine sinnvolle Messung entweder des Urteilsverhaltens oder der Referenz entscheidend ist.

Kontakt: clemens.kuhn AT gmx.de

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Weinzierl / Dr. Ercan Altinsoy

Disputation: 15.03.2011

Beethovens Kompositionsstudien

Autorin: Julia Ronge

Im Laufe seines Lebens hat Beethoven sich immer wieder intensiv mit Kontrapunkt und Musiktheorie auseinandergesetzt. Wie andere Musiker seiner Zeit erhielt auch er eine gründliche Ausbildung im strengen musikalischen Satz. Auch als bereits berühmter Komponist studierte und exzerpierte er musiktheoretische Werke – zum eigenen Gebrauch, aber auch in seiner Aufgabe als Kompositionslehrer des Erzherzogs Rudolph.
Die Dissertation beschäftigt sich sowohl mit Beethovens Kontrapunktstudien als Schüler bei Joseph Haydn und Johann Georg Albrechtsberger als auch mit dem Unterrichtsmaterial für Rudolph. Beethovens Verwurzelung in handwerklichen Traditionen war mutmaßlich stärker und didaktisch-methodisch solider fundamentiert als bislang angenommen. Ziel ist es, im Schülermaterial zu zeigen, in wie weit Beethovens kompositorisches Wissen in der zeitgenössischen Musiktheorie wurzelt und ob sich bereits in Kompositionsstudien satztechnische Regeln sprengende Experimente zeigen. Im Lehrermaterial wird deutlich, welche Teile der Kompositionstheorie Beethoven angenommen und weitervermittelt hat, was er modifizierte und mit eigenen Zusätzen versah und welche Bereiche der Theorie er schließlich ganz ausklammerte. Beethoven wird anhand des Studienmaterials nicht mehr einseitig verkürzt als autarkes Genie wahrzunehmen sein.

Kontakt: julia.ronge AT beethoven-haus-bonn.de

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Weinzierl / Prof. Dr. Heinz von Loesch

Disputation: 13.12.2010

Zum Bedeutungsverlust formaler Standardisierung für die Marktrelevanz von Audio-Standards zur Online-Distribution - Eine vergleichende Analyse anhand von Case Studies

Autor: Dr. Werner Armin Otto

Die Arbeit evaluiert die Marktrelevanz von formalen, konsortialen und De-facto-Standards zur Audio-Distribution über das Internet anhand von Case Studies. Wir stellen einen zunehmenden Bedeutungsverlust formaler Standards, die vorrangig durch das MPEG-Gremium verabschiedet werden, fest.
Gründe hierfür finden sich in der unverändert technologie-zentrierten Arbeitsweise dieses Gremiums, dem unzureichenden Umgang mit Patenten und der nicht effektiv ausgeprägten Marktorientierung. Diese Beobachtung lässt sich auf formale Standardisierung im Bereich der Informationstechnologie verallgemeinern.
Gleichzeitig erkennen wir fehlende Marktrelevanz auch für die untersuchten konsortialen Standards in diesem Umfeld, die insofern von den üblichen Erfolgen informationstechnologischer Standards dieser Gremien abweicht. Ein sich rasch verändernder Markt und die Komplexität der mit dem Standard adressierten Aufgabenstellung können als Ursachen identifiziert werden.
Erfolgreich auf diesem Markt agieren aktuell die betrachteten De-facto-Standards, die sich durch bedarfsgerechte und zu moderaten Konditionen lizenzierbare Technologie einerseits und durch die gezielte Adressierung weicher Faktoren wie Reputation und Markennamen andererseits auszeichnen.

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Weinzierl / Dr. Thilo Pauck

Disputation: 22.05.2009

Software-Based Extraction of Objective Parameters from Music Performances

Autor: Dr. Alexander Lerch

Different music performances of the same score may significantly differ from each other. It is obvious that not only the composer’s work, the score, defines the listener’s music experience, but that the music performance itself is an integral part of this experience. Music performers use the information contained in the score, but interpret, transform or add to this information.

Four parameter classes can be used to describe a performance objectively: tempo and timing, loudness, timbre and pitch. Each class contains a multitude of individual parameters that are at the performers’ disposal to generate a unique physical rendition of musical ideas.

The extraction of such objective parameters is one of the difficulties in music performance research. This work presents an approach to the software-based extraction of tempo and timing, loudness and timbre parameters from audio files to provide a tool for the automatic parameter extraction from music performances.

The system is applied to extract data from 21 string quartet performances and a detailed analysis of the extracted data is presented. The main contributions of this thesis are the adaptation and development of signal processing approaches to performance parameter extraction and the presentation and discussion of string quartet performances of a movement of Beethoven’s late String Quartet op. 130.

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Weinzierl / Prof. Dr. Roger Dannenberg (Carnegie Mellon University Pittsburgh)

Disputation: 27.10.2008

On Wave Field Synthesis and electro-acoustic music, with a particular focus on the reproduction of arbitrarily shapes sound sources

Autorin: Dr. Marije Baalman

Spatial sound has long been a topic of interest in electro-acoustic music. With continual technical advancements of methods to achieve spatialisation of sound, an increase in the realisation of spatial sound ideas can be achieved, while concurrently giving birth to new concepts in this area. Wave Field Synthesis (WFS) provides a compelling method, as it excels in creating a clear localisation of a virtual sound source for a large listening area. Despite the necessary hardware investment, WFS is gaining popularity at many institutes - internationally - providing increasing numbers of composers and sound artists with access to the technology. This relationship between technology and composer provides an environment for exploration of strengths and weaknesses, as well as driving forward development of the technology while composers are creating the content. This can be considered a key element in creating a demand for WFS in commercial and academic markets.

To provide more extensive control over sound sources, this thesis proposes a method for the reproduction of arbitrarily shaped objects emitting sound, using WFS. The method begins with a known or defined geometry of the object surface, and assumes a known or defined vibration of this surface. Using these parameters, signals for a WFS loudspeaker array are calculated, applying an adapted WFS operator that takes into account the elevation above or below the horizontal plane, and diffraction of the sound around the object itself.

The method is validated through the calculation of several examples, evaluating the effects of size, shape, refinement, distance and diffraction on the resulting wave field emitted by the loudspeakers. The diffraction model gives plausible results, but a "second stage'' of diffraction occurs at the WFS reproduction array. A listening test shows that sound objects reproduced in this way cause significant perceptual effects primarily on tone colouration, but also in various spatial parameters such as source width, localisation and spaciousness.

Kontakt: nescivi AT gmail.com

Betreuer: Prof. Dr. Stefan Weinzierl / Prof. Dr. Diemer de Vries (TU Delft)

Disputation: 21.12.2007

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