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Mediensozialisation als Aufwachsen in materiellen Medienumgebungen: Zur digitalen Mediatisierung des alltäglichen Musikhörens Jugendlicher
Zitatschlüssel guljamow_mediensozialisation_2014
Autor Guljamow, Martin and Lepa, Steffen
Jahr 2014
Adresse Siegen
Notiz 00000
Zusammenfassung Mediensozialisations- und Mediatisierungsforschung erscheinen auf dem ersten Blick komplementär. Allerdings werden Medien in der Mediensozialisationsforschung u.E. vorwiegend als Träger audiovisuell-symbolischer Bedeutungsangebote aufgefasst, welche auf unterschiedliche Weise angeeignet und somit als Ressource zur Identitätsentwicklung dienen. Demgegenüber untersucht Mediatisierungsforschung Medien stärker auch als materiell-dingliche Veränderungen alltäglicher Handlungskontexte mit Sozialisationsrelevanz. Vor diesem Hintergrund gehen wir im Rahmen eines Forschungsprojekts zur Mediatisierung alltäglicher Musikrezeption davon aus, dass bei der Musikmediensozialisation den je verwendeten Audiotechnologien und der Art ihres Gebrauchs eine gleichermaßen starke Bedeutung zukommt wie den erklingenden Musikangeboten selbst: Trotz Nutzung ähnlicher symbolisch-auditiver Angebote könnten bei Verwendung unterschiedlicher „Audiohardware“ gleichwohl sehr unterschiedliche musikalische Handlungen, Erfahrungen und eben auch unterschiedliche Musikmediensozialisationsverläufe resultieren. Im Vortrag präsentieren wir zwei kontrastierende Audionutzertypen. Während der Vertreter des einen Nutzertyps hohe Qualitätsansprüche an seine vielseitig kombinierten Audiotechnologien stellt und diese stets auf dem neuesten Entwicklungsstand hält, betont der andere Befragte die prinzipielle Funktionstüchtigkeit seiner wenigen Audiotechnologien, durch welche er die notwendige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gesichert sieht. Sozialisationsrelevant erscheinen die herausgearbeiteten Orientierungen insbesondere im Kontext der Bewältigung jugendlicher Entwicklungsaufgaben, wobei Musik als Ressource auf unterschiedliche Weise genutzt wird: Während es für den einen eher auf einen perfekten, raumfüllenden Sound ankommt, um mit Musik solipsistisch emotionale Erfahrungen verarbeiten zu können, nutzt der Vertreter des schmaleren Repertoires seine Audiomedientechnologien und die darauf abgespielte Musik eher zur Initiation sozialer Interaktion sowie als Hilfsmittel bei Distinktions- und Vergemeinschaftungspraktiken. Die Ergebnisse zeigen, dass unterschiedliche Sozialisationsverläufe hinsichtlich materieller Audiomedientechnologien zu unterschiedlichen medienmusikalischen Orientierungen führen. Daraus können sich auch divergierende Nutzungsweisen von Musik bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben ergeben. Auch traditionelle Mediensozialisationsforschung sollte daher die von der Mediatisierungsforschung aufgeworfenen „apparativen“ Fragen in Zukunft stärker berücksichtigen.
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