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TU Berlin

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Abhörhinweis!

Bitte verwenden Sie zum Abhören des hier präsentierten binauraleren Audiomaterials Kopfhörer. Das Material wurde gering vorgefiltert, um auf typischen Studiokopfhörern mit Diffusfeldentzerrung einen natürlichen Klangeindruck zu gewährleisten.

Akustische Rekonstruktion historischer Aufführungsstätten



Projektbeschreibung

Die Leipziger Gewandhausbauten

Die drei Leipziger Gewandhausbauten waren und sind Spielstätte und Namensgeber des weltweit traditionsreichsten Konzertorchesters. Die Architektur und die Akustik der drei Säle ist somit ein einzigartiges Dokument für die Entwicklung des öffentlichen Konzertwesens, die Veränderung von symphonischer Aufführungspraxis und den damit verbundenen Wandel des orchestralen Klangbilds.

Bereits um die Mitte des 18. Jahrhunderts fanden in Leipzig öffentliche Musikaufführungen in verschiedenen, für diesen Zweck adaptierten Räumlichkeiten statt. Nachdem die Gründung einer „Musikübenden Gesellschaft“ im Jahr 1775 einen weiteren Aufschwung der Konzerttätigkeit brachte, baute die Stadt schließlich im ehemaligen Messehaus der Tuchhändler einen Konzertsaal ein, der zunächst etwa 500 Zuhörern Platz bot und am 25. November 1781 eröffnet wurde. Der Bau eines „Neuen Concerthauses“, das am 11. Dezember 1884 eröffnet wurde, trug dem Musikinteresse der inzwischen auf über 100.000 Einwohner angewachsenen Leipziger Gesellschaft Rechnung, ebenso der zunehmenden Bekanntheit seines Orchesters. Dieser zweite Gewandhaussaal wurde im Februar 1944 durch Fliegerbomben schwer beschädigt und 1968 endgültig abgetragen. Nachdem die Gewandhauskonzerte bis Anfang der 1980er Jahre in einer Mehrzweckhalle stattfanden, wurde am 5.Oktober 1981 das Neue Gewandhaus gegenüber dem Leipziger Opernhaus eröffnet.

Akustische Rekonstruktion

Für die beiden ersten Gewandhaussäle wurden auf der Grundlage von Architekturplänen und Abbildungen Computermodelle in der akustischen Simulationssoftware EASE 4.3 erstellt. Den Wandflächen wurden anhand der gut dokumentierten Baugeschichte der Säle passende Absorptionsgrade zugewiesen, der Publikumsfläche Absorptionswerte für die auf historischen Abbildungen erkennbare, dünn gepolsterte Holzbestuhlung bzw. – für die Rekonstruktion des besetzten Zustands – Werte für Publikum. Für den zweiten Gewandhaussaal wurden die Absorptionseigenschaften im Modell zusätzlich auf die 1933 gemessene Nachhallzeit im besetzten Zustand hin angepasst. Für das Neue Gewandhaus liegen aktuelle Messwerte vor.

Auralisation

In den Computermodellen für das erste und zweite Gewandhaus wurden mit dem Ray Tracing Algorithmus AURA der raumakustischen Modellierungssoftware EASE und einem vollständigen Datensatz von Außenohrübertragungsfunktionen (HRTFs) binaurale Raumimpulsantworten für vier typische Spielpositionen eines Streichquartetts auf der Bühne berechnet. Im Neuen Gewandhaus wurden binaurale Raumimpulsantworten mit dem Messroboter FABIAN vermessen.

Die binauralen Datensätze erlauben eine echtzeitfähige interaktive Nachführung der Simulation auf horizontale Kopfbewegungen. Aus technischen Gründen hören Sie in der hier vorliegenden Variante die Säle jedoch nur für eine frontal fixierten Kopfausrichtung. Als Hörerplatz wurde sowohl in den beiden Modellen als auch im realen Raum ein mittiger Platz in einer Entfernung gewählt, die jeweils dem doppelten Hallradius des Raums entspricht (Quell- und Hörerorte sind in den Einblendungen im Video sichtbar). Der Hörerplatz entspricht damit einem typischen Hörabstand und weist in allen Sälen ein vergleichbares Verhältnis von Direktsignal und Raumanteil auf. Die Instrumentenlautstärken sind in allen Sälen gleich gewählt. Die hörbaren Lautstärkeunterschiede sind daher im Wesentlichen auf die tatsächlichen Unterschiede der Diffusfeldpegel zurückführbar. Als Anregungssignal für die Auralisation wurde W. A. Mozarts Quartett in G (KV 80) mit Musikern des Gewandhausorchesters (Reinhold Quartett) im reflexionsarmen Vollraum der TU Berlin produziert.

Die Simulation einer jeweils identischen musikalischen Aufführung in der unterschiedlichen Akustik der drei Gewandhaussäle kann dann, noch lebendiger als eine Dokumentation durch akustische Parameter, die mit dem Zuwachs an Raumvolumen und Nachhallzeit verbundene Veränderung des musikalischen Klangeindrucks über 200 Jahre hörbar machen. 

Zusatzinformationen / Extras

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