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TU Berlin

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Konzertsaal versus mediale Rezeption. Vergleichende empirische Untersuchung von binaural synthetisierten, natürlichen und elektroakustisch übertragenen musikalischen Aufführungen

Obwohl 99% der Musikrezeption heute über Tonträger, Radio, Fernsehen oder andere elek-tronische Medien stattfinden, werden grundlegende Fragen der Rezeption von Medienmusik aufgrund methodischer Probleme selten auf empirischer Grundlage untersucht. Dazu gehört auch eine Ermittlung der für die Unterscheidung von Live-Darbietung und elektroakustischer Übertragung relevanten Wahrnehmungsqualitäten, anhand derer etwa die „Natürlichkeit“ von medialen Musikproduktionen und der Einfluss medientechnischer Gestaltungsmittel bewertet werden kann. 
Hier bietet die dynamische Auralisation durch binaurale Raumimpulsantworten (BRIRs) nunmehr eine plausible, bei leistungsfähigen Systemen nicht mehr von der Realität unterscheidbare Reproduktion prinzipiell beliebiger akustischer Umgebungen. Die dadurch eröffnete Möglichkeit des unmittelbaren Umschaltens grundlegend verschiedener simulierter Rezeptionssituationen ge¬stattet erstmals einen direkten empirischen Vergleich von Live-Darbietungen (Konzertsaal) und elektroakustischen Übertragungen durch übliche Mikrofonaufnahmeverfahren und Lautsprecheranordnungen (mediale Rezeption). Aufgrund der inkompatiblen akustischen Verhältnisse von Konzertsaal einerseits und Studio bzw. Heimwiedergabe andererseits bietet eine Untersuchung mit realen Schallfeldern hier keinen Zugang.
Ein am Fachgebiet entwickelter binauraler Messroboter leistet eine schnelle, automatisierte Vermessung von solchen vollständigen BRIR-Datensätzen in hoher Audioqualität. Sie sollen im Rahmen des Projekts für fünf Quellpositionen und verschiedene Hörerplätze im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie und für den Abhörpunkt (sweet spot) einer mehrkanaligen Studioumgebung akquiriert werden. Gleichzeitig sollen hochqualitative nachhallfreie Stimuli (Streichquartett mit Gesang) und repräsentative mehrkanalige Abmischungen derselben anhand von im Konzertsaal vermessenen Impulsantworten für verschiedene Hauptmikrofonieverfahren angefertigt werden.  Auf der Grundlage dieser, durch ein am Fachgebiet entwickeltes Faltungsprogramm für eine prinzipiell beliebige Anzahl von Quellen in Echtzeit dynamisch auralisierten Stimuli sollen mit einem der Konstruktpsychologie entlehnten Erhebungs¬verfahren (Repertory Grid Technik) die für die Unterscheidung natürlicher und medialer Hörsituationen relevanten Wahrnehmungsqualitäten zum ersten Mal in direkter Gegenüberstellung ermittelt werden.
Anhand dieser hochvaliden Beurteilungsmerkmale sollen anschließend in quantitativen Hörversuchen wesentliche, bislang nicht belegte medienästhetische Hypothesen getestet werden. Dazu gehört die Wirkung verschiedener gängiger Mikrofon-Aufnahmeverfahren, verschiedener elektroakustischer Wiedergabeverfahren (Mono, Stereo, 5.1-Surround) und der Einfluss eines vorhandenen oder nichtvorhandenen visuellen Reizes.

Dieses Forschungsprojekt ist gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG WE 4057/1-1)

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