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TU Berlin

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Abhörhinweis!

Bitte verwenden Sie zum Abhören des hier präsentierten binauraleren Audiomaterials Kopfhörer. Das Material wurde gering vorgefiltert, um auf typischen Studiokopfhörern mit Diffusfeldentzerrung einen natürlichen Klangeindruck zu gewährleisten.

Raumakustikvergleich per Binauraltechnik



Projektbeschreibung

Das Verfahren

Binaurale Messtechnik (siehe Erläuterungen/Demo hier) und binaurale Signalsynthese (siehe Erläuterungen/Demo hier) ermöglichen den direkten Vergleich des Höreindrucks in verschiedenen Sälen und an unterschiedlichen Sitzplätzen.

Eine wesentliche Voraussetzung für diesen Vergleich bilden nachhallfrei (richtiger: nachhallarm) durchgeführte Musikaufnahmen. Nur wenn Musikaufnahmen keine Einflüsse eines anderen Aufnahmeraums enthalten, können sie verwendet werden, um den Höreindruck eines beliebigen anderen Saales/Sitzplatzes fehlerfrei wiederherzustellen. Für die hier gezeigte Demonstration wurden daher zunächst Aufnahmen eines klassischen Streichquartetts im Großen Reflexionsarmen Raum der TU Berlin durchgeführt. Während dieser Aufnahmen spielten alle Musiker zeitgleich, waren dabei jedoch räumlich und akustisch durch Trennwänden abgetrennt. Um trotzdem ein befriedigendes Zusammenspiel zu ermöglichen, mussten die aufgezeichneten Signale aller Musikinstrumente jedem Musiker simultan per Kopfhörer zugespielt werden.

In einem weiteren Schritt wurden die akustischen Übertragungseigenschaften (binaurale Raumimpulsantworten) von fünf verschiedenen Räumen an mehreren Sitzplätzen mit dem Kunstkopf FABIAN vermessen. Die Räume wurden dabei so ausgewählt, daß sie sich in ihren akustischen Eigenschaften möglichst stark unterschieden (siehe Tabelle unten). Die Sitzplätze umfassten dabei zumeist einen vorderen und nahen, sowie eine weiter entfernten, manchmal auch seitlich versetzten, hinteren Platz. Als Schallquelle wurde jeweils ein einzelner, immergleicher Lautsprecher an der Position verwendet, in der er auch auf den Fotos zu sehen ist (die manchmal im Saal zusätzlich installierten Lautsprecher wurden nicht verwendet).

Das Demo

Das besondere dieser Demonstration ist nun, daß die Schallquelle immer die selbe war und diese zudem mit immer der selben Lautstärke betrieben wurde. Alle hörbaren klanglichen Unterschiede (wie z.B. bzgl. Lautstärke, Halligkeit, Klangfarbe) ergeben sich daher allein aus der jeweiligen Position von Lautsprecher und Hörer sowie der Raumakustik. Dadurch werden direkte Vergleiche möglich, wie sie in der Realität nie bzw. nur unter Zuhilfenahme eines Teleporters möglich wären.

So hören Sie z.B. zu Beginn deutlich die Zunahme des Nachhallanteils, wenn sie von der vordersten in die 15. Reihe des TU Audimax wechseln (wahrscheinl. würden Sie Ihren Professor hier deutlich schlechter verstehen). Schon besser stellt sich die Situation im Wiener Burgtheater dar: Im Rang ist die Wahrnehmung wegen des geringeren Nachhalls zwar leiser, dabei aberauch viel deutlicher und akzentuierter. Ähnliches gilt für den mehr als doppelt so großen Friedrichstadtpalast. Dabei tragen die dick gepolsterten Sitze hier sicher zur Nachhallreduzierung und damit zur hohen Deutlichkeit auch am entfernteren Sitzplatz bei. Im viel kleineren Kammersaal der UdK fällt der vergleichsweise laute Eindruck sofort auf. Das Fehlen fast jeglicher Absorption sorgt für eine vergleichsweise hohe Nachhallstärke. Im Gegensatz dazu wiederum ist die Akustik des letzten Raumes, des Tonstudios, schon nahezu "analytisch zurückhaltend".

Wie man sich leicht denken kann, lassen sich mit einer derartigen Technik viele interessante Fragen nun zum ersten Mal objektiv beantworten: So könnte man direkt den Höreindruck unterschiedlicher (auch unterschiedlich teurer) Sitzplätze direkt beurteilen. Man könnte nun auch sehr einfach untersuchen, wie sich der Höreindruck innerhalb eines Saales oder in verschiedenen Zuständen verändert. Weiterhin könnte man prüfen, ob sich die wahrgenommenen Änderungen auch korrekt in den Messwerten der Raumakustiker widerspiegeln. Konzertgänger könnten schon in ihren gewählten Sitzplatz "hineinhören", und den tatsächlichen Mehrwert teurerer Plätze direkt beurteilen. Die vielleicht interessanteste Frage ist jedoch wohl die, nach dem direkten Vergleich der Qualität der Konzertsäle dieser Welt.

Übrigens, der Realismusgrad dieser Demonstration wäre in unseren Labor noch deutlich höher, da wir dort normalerweise dynamisch auf Kopfbewegung reagierende Varianten dieser Simulationen verwenden (siehe hier).

Informationen zu den dargebotenen Räumen

Räume
Name
Nachhallzeit
(ca./leer)
Volumen
(ca.)
Audimax, TU Berlin
2.0 s
8.500 m³
Wiener Burgtheater
1.4 s
7.700 m³*
Friedrichstadtpalast Berlin
1.5 s
17.500 m³
Kammersaal, UdK Berlin
1 s
450 m³
Gr. Elektron. Studio, TU Berlin
0.4 s
250 m³

*nur Auditorium

 

 

 

 

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